| Wenn Sie Cazals`s Stimme hören möchten, klicken Sie auf folgenden link:
>www.youtube.com/watch?v=9Uic-X2CYuA
Hamburg-St.Pauli und sein Hafen
So, 11.03.2012, 11:00 Uhr bis Fr, 20.04.2012, 18:00 Uhr
Parchim, ebe-art Galerie
In der ebe-art-Galerie in Parchim stellt
CARLO CAZALS Schiffsgemälde und Damen des St.Pauli-Milieus aus.
Als Einführung singt Carlo Cazals zur Gitarre Seemannslieder.
CAZALS´GEDANKEN ZU SEINEN WERKEN:
Es gibt eine geheimnisumwobene Welt der Phantasie und Charakterologie zu betrachten, die einen Zugang zur Poesie und Tiefgründigkeit voraussetzt.
Naive Verspieltheit kreuzt sich mit Freude am diabolischen Vergnügen bis hin zum Wahnwitz .
Streng gebaute Formen bzw. Kompositionen verhindern jeden Vergleich
mit karikativen Elementen.
Durch jahrzehntelange Übung im Zeichnen wurde ein „Unterbewußtsein“
geschaffen, welches weit dem „Zeichnenkönnenwollen“ entfernt liegt.
Hier schafft die Naturkraft -, vergleichbar dem Pflanzenwachstum ,-
seine Früchte-,
Cazals sieht sich als Seismographen , der seine inneren Erschütterungen
aufpunktet.
Cazals legt den Grundgedanken auf Bescheidenheit früherer
Handwerker,- er ist überzeugt, dass das Schaffen von Kunst nur
über die alten Wurzeln der Kultur den Weg zu bedeutenden
Werken finden kann -!
Wichtig ist eine Belesenheit alter Meisterwerke und ein bedeutendes
kunsthandwerkliches Vermögen, gleich so das Vermögen altmeisterlicher
Darstellung atmosphärischer Werke.
Eine fromme Einstellung und naive Einfalt hält Cazals für eine
künstlerische Voraussetzung!
Der Künstler von einigen Szenekennern als Gründer des skurrilen Irrationalismus bezeichnet, gilt als Geheimtipp von Galeristen und Kunstzeitschriften. Namenhafte Kunsthistoriker gaben ihr Siegel, wie z.B. Jana Marko, von der Barlachgalerie in Hamburg, und Leitende der römischen Villa Massimo, die von Cazals`s genialischer Prägung
seines Striches dokumentierte. Art Profil (Redakteur und Kunsthistoriker Dr. Helmut Orpel) zeigt in zwei Bänden tiefgehende Arbeiten seines Schaffens und steht mit Überzeugung hinter dem Künstler !
LAUDATIO FÜR DIE AUSSTELLUNGEN IM BAUMHAUS IN WISMAR UND
SCHLOSS MARIHN VON CARSTEN KREMKE ÜBER CARLO CAZALS:
Es war im Jahr 2002, anlässlich eines Neubaus auf unserem Firmengelände, als wir auf
der Suche nach einem Kunstwerk für den neuen Eingangsbereich waren. Für uns
bedeutete das Gebäude einen sehr positiven Wendepunkt in unserem Leben, also sollte
es etwas eindrucksvolles werden.
Unsere Suche begannen wir bei einem Parchimer Galeristen, der, nachdem er hörte, was
wir wollten, uns sofort einen Termin bei Carlo Cazals machte. Wir waren überwältigt von
der Art, Qualität und auch Quantität der Kunstwerke und kauften an dem Tag 3 statt ein
Bild. In der Zeit danach lernten wir den Menschen Cazals und seinen beeindruckenden
Lebenslauf kennen.
Geboren 1948 im Nachkriegshamburg mit einem Vater, der genug damit zu tun hatte,
seine eigenen Kriegserlebnisse als Minentaucher zu verarbeiten. Er wuchs in St.Pauli auf
der denkbar ungünstigste Ort für einen kleinen, schmächtigen und schüchternen Jungen,
der nur in seinen Träumen ein heldenhafter Cowboy war. Sein Onkel führt den Jungen in
die Kunst und Kulturszene ein und mit 19 beginnt er seine Träume zu leben: Mit
obszessiver Verehrung für seine Lehrerin und Mentorin, Gertrude Pirsch, beginnt er seine
Ausbildung in Malerei und Gesang. Seine Neugier, Freiheitsliebe und Unangepasstheit
führen dazu, dass er auf Reisen und im Zwiegespräch mit Experten lernt und nicht als
Student in Universitätssäälen.
Er lebt, lernt und arbeitet 17 Jahre als zurückgezogener Künstler. Er malt wie ein
Besessener und sein einziger wirklicher Kontakt zu anderen Menschen ist der zu seiner
Lehrerin. Die wird 1984 bettlägrig und dement und von Ihrer etablierten und gut
verdienenden Verwandschaft im Stich gelassen. Cazals arbeitet die nächsten 10 Jahre
nachts als Geldbote um Geld zu verdienen und pflegt tagsüber alleine seine kranke
Lehrerin.
Das Leben und die Kunst Cazals ist geprägt von Frauen. Von seiner leidenschaftlichen,
meist verzweifelten Liebe zu ihnen aber auch weil an den wichtigen Kreuzungen seines
Lebens Frauen die entscheidenden Impulse gegeben haben. So auch 1994, als seine
Lehrerin verstarb und Inge, seine jetzige Frau ihn wieder zurück ins Leben und zur Kunst
geholt hat. 2002 zogen beide aus Hamburg nach Parchim, wo beide, natürlich sehr
zurückgezogen mit Ihrer Riesendogge wie vor 200 Jahren leben.
Der eine der zwei Öfen wird nur angemacht, wenn Besuch da ist, die Werkstatt, in der
Cazals noch immer wie ein Besessener 365 Tage im Jahr arbeitet, ist unbeheizt. Auf dem
Hof hat man das Gefühl, van Gogh käme gleich um die Ecke, natürlich ohne Ohr.
Cazals friert im Winter, schleppt Kohlen und Holz über die morsche Treppe und repariert
im Sommer selbst das Teerdach, vorzugsweise an heissen Tagen.
Da drängt sich die Frage auf, warum tut ein Mensch so etwas?
Cazals ist der Meinung, dass gute Kunst nur aus Schmerz und Leiden entstehen kann.
Eine gewagte Aussage
Aber unbestreitbar waren in der Vergangenheit die größten Künstler meistens die, die
irgendeine Form von Leid am eigenen Leib erfahren mussten.
Und unbestreitbar sind die zentralen Themen der Kunst Liebe, Hass, Leidenschaft, Angst
und Hoffnung.
Und so erscheint es zumindest logisch, dass nur ein Künstler, der wirklich existenzielle
Gefühle und Erlebnisse hatte, den zentralen Themen der Kunst wirklich bewegend
Ausdruck verleihen kann.
Wie soll jemand Liebe in Bildern ausdrücken, wenn er nie wirkliche Enttäuschungen erlebt
hat?
Wie kann ich Hoffnung ausdrücken, wenn ich nie wirkliche Angst und Hoffnungslosigkeit
erlebt habe?
Wenn wir jetzt allerdings jungen Künstlern sagen würden, sie müssten leiden um gute
Kunst zu machen, würden wir wohl ausgelacht werden. Vielleicht zurecht.
Denn wertvolle Kunst entsteht heute häufig dadurch, dass die Werke eines jungen
Künstlers von den Keyplayern der Kunstszene als Wertanlage auserkoren werden und
damit zu großer Kunst werden.
Insofern sehen Sie hier heute wohl einem Dinosaurier beim Aussterben zu.
Das hat aber vielleicht auch ein Gutes, das mit dem Aussterben. Denn es liegt auch eine
Gefahr in den Kunstwerken solcher Dinosaurier wie Cazals, die ich am eigenen Leib
erfahren musste:
Meine Frau und ich wollten ursprünglich nur ein Bild für den Eingangsbereich eines neuen
Gebäudes kaufen. Zwischenzeitlich sind es sehr viel mehr geworden, so dass die Wände
nicht mehr ausreichen. Die Bilde haben Suchtpotential, sind aber zum Glück auf lange
Sicht wesentlich erschwinglicher als andere handelsübliche Drogen.
Und ein weiteres Risiko liegt in den Werken von Cazals: Wenn Ihnen die Werke gefallen
und Sie welche zu Hause oder im Büro aufhängen, und Sie sich dann darauf einlassen
und sich von Ihnen in die Tiefen Ihrer eigenen Persönlichkeit ziehen lassen, dann kann es
Ihnen auf Kunstausstellungen immer öfter passieren, das Sie das was Sie sehen, mit dem
vergleichen, was bei ihnen zu Hause hängt.
Und Sie werden enttäuscht sein von vielen Werken anderer Künstler, die diese Tiefe nicht
haben und die einen schon nach wenigen Minuten langweilen. Aber dafür sehnen sich
nach Ihrem Zu Hause mit den Bildern.
So auf die Risiken und Nebenwirkungen habe ich nun ausführlich hingewiesen. Sollten
sich dennoch einige von Ihnen mit den Werken näher befassen wollen: Es geht um
Geschichten des Meeres und um Träume und Phantasie. Das Meer ist für Cazals natürlich
mehr von Abenteuer, Gefahr, Bedrohung und Todesangst geprägt als von rauschenden
Wellen und blauem Himmel. Träume, Sie ahnten es, sind bei ihm vornehmlich Alpträume
und Phantasie entstehen auch schon mal im Fieber. Aber lassen Sie sich nicht
verschrecken! Es lohnt sich. Denn zwischen all der Angst und Gefahr gibt es immer auch
Hoffnung, Liebe und Zuversicht, vielleicht nicht immer auf den ersten Blick. Wie im
wirklichen Leben.
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